Einige Bemerkungen zu Voltaire.
Auf der Hauptseite zog ich das Fazit, daß ein Auslandsschuljahr mit einer kommerziellen Organisation eigentlich nur
die letzte Möglichkeit ist, die man in Betracht ziehen sollte und private Organisation oder ECHTE Austauschprogramme die
bessere Wahl sind. Mit echtem Austausch meine ich hier folgendes: Sie bekommen quasi eine ausländische Partnerfamilie,
nehmen deren Kind auf und im Gegenzug nimmt diese Familie Ihr Kind auf.
Natürlich ist auch
"Voltaire" oder eine andere ECHTE
Austauschorganisation keine absolute Garantie für das Gelingen des Auslandsschuljahres.
Über Voltaire habe ich bis jetzt nur einmal etwas Schlechtes gehört (im
Forum von austauschschueler.de). Und dieser
Fall
(Scheidung der Gasteltern) ist eben ein Beispiel dafür, daß es 100%-ige Sicherheit nicht gibt. Dennoch dürfte hier
das Interesse am Gelingen und die Bereitschaft Probleme zu lösen wesentlich größer sein als bei einer kommerziellen Orga,
da es auf Gegenseitigkeit beruht. Für die kommerziellen Orgas ist, beim derzeitigen Stand der Praxis und Rechtssprechung
zum Auslandsschuljahr, die Sache eigentlich gegessen, wenn Sie bezahlt haben. Jedenfalls kann es so sein und hin und wieder
kommt es eben vor - vielleicht öfter als man denkt. Aber man merkt es ja eigentlich nur dann richtig, wenn es
Probleme gibt.
Nun was zum gegenseitigen Interesse. Bei Voltaire ist der Haken der, daß der Austausch zeitversetzt erfolgt. Es kommen
immer zuerst die Franzosen für ein halbes Schuljahr nach Deutschland und anschließend fahren die Deutschen für ein halbes
Schuljahr nach Frankrteich.
Bemerkung zur nachstehenden Ausführung: Sie bezieht sich auf die Situation, daß es Probleme gibt, die zum Abbruch des
Auslandsaufenthaltes führen könnten und wie es im ungünstigen Fall aussehen könnte. Also bitte nicht verallgemeinern,
ich will niemanden etwas unterstellen oder allgemeine Beurteilungen abgeben.
Folglich sind in der ersten Phase des Austausches beide Familien gleichermaßen an der Lösung von Konflikten interessiert.
In der zweiten Phase (2. Halbjahr) ist die Bereitschaft dazu möglicherweise sehr unterschiedlich, da der Auslandsaufenthalt
des französischen Schülers ja schon erfolgreich beendet wurde.
Diesen Zustand könnte man verbessern, wenn der Austausch gleichzeitig erfolgen würde. Außerdem hätte es noch den Vorteil,
daß mehr Schüler an Voltaire teilnehmen könnten, da sie ja sozusagen ihre Zimmer tauschen. Somit könnten auch Familien an
Voltaire teilnehmen, die sonst keinen Platz für einen Gastschüler in ihrer Wohnung hätten.
Weiterhin könnte die Zeitdauer des Auslandsaufenthaltes flexibel gehalten werden, die Familien könnten sich (zusammen mit
Voltaire sicherlich) abstimmen, ob er ein halbes oder ein ganzes Schuljahr dauern soll.
Wenn Sie diese Ideen gut finden: Don't hesitate to ask Voltaire about this! (Ich habe kurz vor Veröffentlichung dieses
Artikels der Stiftung Genshagen, Zentralstelle Voltaire diese Ideen, etwas ausführlicher als hier, mitgeteilt.)
Und das will ich nochmal hervorheben, die Teilnahme am Voltaire-Programm ist sicher eine gute Variante für Familien,
die sich die doch erheblichen Kosten für ein Auslandsschuljahr nicht leisten können. Außerdem habe ich zu meinem Erstaunen
in den
Erfahrungsberichten zu Voltaire gelesen, daß man nicht mal unbedingt gut sein muß in Französisch um
in das Programm aufgenommen zu werden (
Erfahrungsbericht von Julias Eltern).
Keine Antwort von Voltaire.
Bis jetzt keine Reaktion von der Stiftung Genshagen. Auch eine zweite Mail vom 24.02. ist unbeantwortet geblieben.
Deshalb schränke ich meine Empfehlung für Voltaire ein wenig ein. Denn auch für Voltaire gilt, was ich zu den
kommerziellen Organisationen bereits schrieb - wenn das Interesse für die Belange der Schüler schon vor Beginn des
Austausches so gering ist, welche Hilfe kann man dann noch erwarten, wenn man im Ausland ist und Probleme hat?
Mehr noch als zuvor lautet deshalb mein Rat: "Auslandsschuljahr privat organisieren wenn irgend möglich !"
Die finanzielle Seite bleibt natürlich nach wie vor attraktiv an Voltaire.
Doch noch Antwort von Voltaire.
Heute habe ich doch noch eine Antwort von Voltaire auf meine Vorschläge erhalten. Die möchte ich hier
wiedergeben:
"Sehr geehrte(r) Frau oder Herr Faust,
wir haben Ihre E-Mail erhalten und auch an das DFJW weitergeleitet. Wir verstehen sehr wohl Ihre Argumente und möchten
kurz dazu Stellung nehmen. Leider sind die finanziellen Möglichkeiten des DFJW nicht unbegrenzt, das Programm kann also
gar nicht viel mehr Teilnehmer aufnehmen.
Bei einem gleichzeitigen Austausch stellen sich folgende Fragen:
Was passiert, wenn doch einer der Teilnehmer das Programm abrechen möchte? Dann ist sozusagen sein Platz in seiner
eigenen Familie schon belegt. Außerdem beruht das Prinzip des Austausches bei Voltaire darin, dass der aufnehmende
Schüler seinen Austauschpartner in seine Familie, Schule und Freundeskreis einführt. Ob die französischen Schulen ihre
Schüler so bereitwillig für ein ganzes Jahr wie für das dritte Trimester der Seconde (was teilweise noch
Überzeugungsarbeit kostet) ins Ausland lassen ist auch fraglich.
Schön, dass Sie nur eine negative Nachricht über Voltaire gehört haben! Auch möchte ich mich für Ihre Empfehlung und
den Link zum dfjw auf Ihrer Webseite bedanken.
Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen beantworten. Zögern Sie bitte nicht uns erneut anzuschreiben, falls Sie weitere
Anmerkungen oder Fragen haben."
Kurz zwei Gedanken dazu von mir.
Zum ersten Einwand (Abbruch):
Falls einer der beiden ATS aus heiterem Himmel plötzlich das Programm abbricht, ist in dem Falle daß die andere Gastfamilie
nicht so viel Platz hat (für den mein Vorschlag den gleichzeitigen Austausch als Vorteil beschreibt) und wenn sich dann keine
neue Gastfamilie finden läßt, das Programm für den anderen ATS leider auch beendet. Das ist tatsächlich zu bedenken.
Allerdings habe ich bis jetzt noch nie etwas davon gehört oder gelesen, daß ein ATS sein Programm beendet hätte wenn es ihm
bei der Gastfamilie gefiel. Ich glaube diese Wahrscheinlichkeit liegt noch deutlich unter fünf Prozent.
Der zweite Einwand besteht aufgrund des Prinzips des Austausches bei Voltaire (das ich sehr gut finde), trotzdem steht die
Frage der Chancengleichheit weiterhin im Raum und die Frage, was einem wichtiger ist.
Immerhin gäbe es schon Möglichkeiten Kontakte zwischen den ATS-Familien schon vor dem Austausch zu knüpfen. Und auch seinen
"Stellvertreter" könnte man im Freundeskreis schonmal bekanntmachen. Natürlich funktioniert es nicht so gut wie bei
körperlicher Anwesenheit, es hat eben alles so Vor- und Nachteile.